Es steht mal wieder eine Bundestagswahl vor der Tür

Nach langer Zeit melde ich mich auch mal wieder in meinem Blog zu Wort. Wie der Titel unschwer erahnen lässt, geht es um so ein paar Gedanken zur Bundestagswahl 2013. Daher stelle ich mir die Frage:

Quo vadis, Jorge?

Letztes Jahr war ich im Wahlkreis Ulm als Direktkandidat zur Landtagswahl Baden-Württemberg angetreten. Vieles, sehr vieles lief überhaupt nicht so wie man sich bzw. ich mir das vorgestellt hatte. Viel Blablabla, wenig bis gar nichts konkretes oder man wartete auf jemanden. Man hatte Hoffnungen, da wäre jemand der mehr Ahnung hat Projekte zu stemmen. Vielleicht war das naiv. Und trotzdem hat es irgendwie Sau viel Spaß gemacht den Menschen auf der Strasse uns und unsere Positionen näher zu bringen. Zu großartig Partei externen Veranstaltungen wurden wir ja nicht eingeladen, und trotzdem war es verdammt viel Arbeit. Aber vielleicht lag dieses subjektive empfinden auch mehr daran, dass ich zeitgleich noch im Landesvorstand der Piratenpartei Baden-Württemberg war.

Jetzt bin ich nicht mehr im Landesvorstand. Was hindert mich jetzt daran mich in die Bundestagswahlschlacht zu werfen? Zeit hätte ich ja, bin ja schließlich diese ominöse Basis. Was schreckt mich also?

Im Frühjahr dieses Jahres wurde auf unserer schönen Baden-Württemberg Mailingliste sehr ausführlich und in epischer Breite darüber diskutiert, wer, wie, weshalb und warum nicht kandidieren soll(te). Diese Diskussion hat mich persönlich sehr verschreckt, und das gleich auf mehreren Ebenen. Da wären

  • Quote
  • Direkt- vs. Listenkandidatur
  • Verteilung potentieller Mandate im Land bzw. über die Bezirke/Regionen

Und ganz ehrlich, am allermeisten hat mich gestört, das ein bestimmtes Nicht-mehr-Mitglied es scheinbar doch tatsächlich geschafft hat, seine Meinung wer, wie, weshalb und warum kandidieren darf oder auch nicht, in scheinbar so manche Köpfe der Piraten in Baden-Württemberg zu platzieren. Aber egal.

Zunächst zur Quote. Ich denke, es dürfte wohl bekannt sein, dass ich kein Freund von einer Wien auch immer gearteten Quote bei den Piraten bin. Hypersensibilisiert durch Kegelklub und Co. (den Arbeit ich durchaus schätze, aber ich eben nicht deren Meinung bin, selten) reagieren Piraten schon äußerst grotesk auf einen https://twitter.com/annmeiritz/statuses/217577064964964353″>Tweet einer Spiegel Redakteurin mit Einladungen für und zu kandidieren. Aber das Mist es noch nicht mal. Ich denke, unsere Strukturen sind offen genug, dass sich jeder (Mensch – nein ich werde hier nicht gendern) bei einer Aufstellungsversammlung zur Wahl stellen kann. Mir persönlich ist es verdammt nochmal egal, ob Männlein oder Weiblein. Nur gegen Ponys und deren Zeit bin ich etwas allergisch, das ist aber schon wieder ein Insider, den evtl. Partei Außenstehende nicht verstehen. Egal.

Dann gab es noch die Theorie, dass Direktkandidaten zwangsweise auch für die Landesliste kandidieren sollen (müssen!), Quasi als Wiedergutmachung dafür, dass eine Direktkandidatur in der Piratenpartei ja sowieso verlorene Liebesmüh sein. Im Umkehrschluss wurden potentielle Nur-Listenplatz-Kandidaten mit dem Stigma belegt, dass sie die (Drecks)Arbeit die Direktkandidaten vor Ort im Wahlkreis machen lassen, aber selbst, bei Null Einsatz, auf einem vermeintlich sicheren Listenplatz sitzen und so in den Bundestag einziehen. Clever. So schürt man Ängste und/oder Vorbehalte gegen Nur-Listenplatz-Kandidaten. Vielleicht ist das ein Grund, warum es bisher nur 3 (!) Nur-Listenplatz-Kandidaten gibt. Jetzt konnte man natürlich sagen „Ja Moment, der Lenz heult rum, weil er selbst nur auf die Liste will und sich für die Direktkandidatur zu schade ist“. Ein Funken Wahrheit Steckt da vielleicht drin, aber dazu später mehr.

Ich sehe die möglichen Direktkandidaten als eine gute Möglichkeit, bei der sich unsere vielen, vielen motivierten, manchmal übermotivierten Neumitglieder, die wir seit den gewonnen Landtagswahlen in Berlin, im Saarland, NRW und Schleswig-Holstein in unseren Reihen begrüßen durften. Ich denke, bzw. glaube, dass kein wirklich aktiver Pirat aus Baden-Württemberg seinen Direktkandidaten im Wahlkreis hängen lassen wird, und die ganze Arbeit allein machen lässt. Das wäre selbstverständlich auch bei mir so, bzw. wird so sein, weil ich definitiv nicht als Direktkandidat zur Aufstellungsversammlung antreten werden.

Bleibt noch die Verteilung der Mandate im Ländle. Ich denke, letztlich bleibt es egal. Ich habe soviel Vertrauen in unsere Piraten, die im September die Aufstellungsversammlung zur Landesliste in Wernau wählen werden, dass auf den potentiell sicheren Listenplätzen allesamt gute Piraten sitzen werden, was auch immer das heißt. Sich im Vorfeld die Köpfe heiß zu reden und zu überlegen, ob man der Versammlung zu Beginn einen Vorschlag oder gar eine Empfehlung unterbreitet, wer auf welchem Listenplatz, oder welcher Regierungsbezirk auf welchen Listenplatz sollte, ist – Sorry – einfach nur ein extrem großer Haufen Kot. Die Versammlungen, egal ob zur Landesliste oder für die Direktkandidaten, sind unabhängig, an keine Weisungen gebunden und das ist auch gut so. Wenn ich so was haben wollte, wäre ich nicht den Piraten beigetreten, sondern einer beliebigen anderen etablierten Partei. Wer auf immer auf der Aufstellungsversammlung zur Landesliste mit einem solchen Vorschlag kommt, wird von mir gefragt werden, ob er noch alle Tassen im Schrank hat.

Ja und ansonsten? ansonsten geht mir das alles viel zu schnell. Ich sehe die Not nicht, warum möglichst vor der Aufstellung der Landesliste alle Direktkandidaten aufgestellt sein sollen/müssen. Ich sehe nicht, warum die Landesliste selbst schon so bald aufgestellt wird, wo doch noch gar nicht wirklich klar ist, was die Themen sein werden mit der die Piraten in den Bundestagswahlkampf ziehen werden. Was, wenn da was drin steht, mit dem ein Direkt- oder auch Listenkandidat so überhaupt nix mit Anfangen kann und deswegen vielleicht hinwirft?

Ich für mich habe nicht genug Zeit gehabt mir hierüber Gedanken zu machen, bin aber gleichzeitig so konsequent, dass ich mich auch nicht treiben lasse. Daher gibt es von mir bisher, abgesehen zur Direktkandidatur keine Zu- oder Absage. Eine Direktkandidatur schließe ich aber aus. Und ich möchte das auch gerne erklären:

Bis zur Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus war eine Kandidatur für die Piraten relativ ungefährlich und nicht absolut zeitraubend, bezogen auf die Direktkandidatur selbst und nicht auf die Wahlkampforga bezogen. Nach der Berlinwahl hat sich das extremst gewandelt. Die Kandidaten werden zu gefühlt 200% mehr Diskussionsrunden, Interviews und ähnlichem öffentlichen wie Pressegedöns eingeladen. Für mich als Familienvater ist das nicht sinnvoll stemmbar, ohne meine Familie aufs Spiel zu setzen. Und das meine ich so wie ich es schreibe. Meine 2 Jahre im Landesvorstand haben mir sehr deutlich gezeigt wo die Grenzen der familiären Belastbarkeit verlaufen und ich bin nicht bereit diese noch einmal auf Spiel zu setzen. Viele, wenn nicht alle von uns geplanten Aktionen finden Samstags statt. Samstag ist aber einer der beiden einzigen Tage, die ich mit meiner Familie verbringen kann. Noch dazu bin ich Immobilienbonze, Habe also ein Haus, an dem es noch viel zu tun gibt. Wenn ich Samstags jetzt 6 Stunden Minimum unterwegs bin, Brauch ich nicht Glauben, dass ich in diesem leben noch einen ansehnlichen Garten habe werde. Daher käme für mich nur eine Listenkandidatur in Frage. Aber das scheinen die Piraten, dank externer Infiltration, nicht zu wollen. Deshalb habe ich hierzu noch keine abschließende Entscheidung getroffen.

Noch habe ich ja etwas Zeit.

P.S.: das war jetzt viel Text, den ich auf dem iPad herunter geschrieben habe, evtl. Rechtschreibfehler schiebe ich jetzt einfach ma auf die Autokorrektur 😉

Veröffentlicht in Piratiges, Politik Getagged mit:
2 Kommentare zu “Es steht mal wieder eine Bundestagswahl vor der Tür
  1. Natural sagt:

    Und du betreibst jetzt Legendenbildung im Stil von, „JT wollte keine Listenkandidaten ohne Direktkandidatur“?

    Das find ich jetzt auch nur so mittel.

    Stell dich an der Landesaufstellungsversammlung einfach zur Wahl, anstatt hier irgendwelche Legenden zu bilden. Meine Stimme hättest du wohl sogar.

  2. Lars sagt:

    Ich persönlich bin der Meinung, jeder soll und darf für das kandidieren, was er möchte. Wenn jemand ausschließlich eine Direktkandidatur in Betracht zieht, so ist dies für mich genauso in Ordnung wie eine reine Listenkandidatur. Und wer beides machen möchte – auch in Ordnung.

    Deinen Einwand bzgl. des gewählten Termines für die AV zur Landesliste und die damit verbundene Bitte, die Aufstellungsversammlungen möglichst vor Wernau durchzuführen kann ich nur bedingt nachvollziehen. Hätten wir den Termin auf nächstes Frühjahr gelegt, wären wieder andere Einwände hochgeschwappt – also man kann es nicht allen Recht machen. Ich persönlich finde den, zugegeben sehr großzügig bemessenen, Zeitpuffer als äußerst angenehm – wir haben dann noch mehr als genug Zeit z.B. Presse- und Rethorikschulungen, Fototermine usw. für die Kandidaten zu organisieren. Auch eine MarinaBW (in der Form wie im Winter 2010 vor der LTW) zur Vorbereitung und Ideensammlung ist somit noch unabhängig von der bundesweiten Wahlvorbereitung durchaus möglich.

    Natürlich gibt es immer Vor- und Nachteile – aber damit muss man eben klarkommen!

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