Mein ganz persönlicher 9/11

Heute jähren sich die Anschläge auf das World Trade Center in New York das zehnte Mal. Man kommt in den vergangenen Tagen nicht drum herum mit dem Thema konfrontiert zu werden. Sei es die Festnahme von zwei Terrorverdächtigen in Berlin, oder die aktuell verkündete akute Bedrohungslage in den USA (und natürlich versichern die Behörden in den USA gleichzeitig, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestünde). Und nicht zuletzt wird man im TV derzeit mit dem Thema 9/11 dauerberieselt.

Nichts desto Trotz habe ich mir gestern die BBC Dokumentation auf VOX angesehen und war aufs neue erschüttert als ich die Bilder wieder in geballter Form sah. Auch nach 10 Jahren ist das Geschehene eigentlich unglaublich und schier unvorstellbar. Gerade auch weil mann gelernt hat mit dieser Erlebnis zu leben. Und was mussten wir im Anschluss alles über uns ergehen lassen. Die USA zogen in den »War On Terrorism« bei dem sich Deutschland nicht beteiligt hat. Vor dem klaren Nein von Gerhard Schröder habe ich ehrlich gesagt heute noch Respekt und fand das damals und heute richtig, dass Deutschland sich an diesem Krieg nicht beteiligt hat. [1]

Ich weiß noch, dass ein Kollege von mir blöde Scherze riss als die ersten Meldungen im Radio über einen Flugzeugeinschlag in den Nordturm des World Trade Centers zu hören waren. Und ich kann mich noch daran erinnern, dass ich ihm damals auch sagte, dass ich das geschmacklos fand. Leider weiß ich nicht mehr, wie er reagierte, als kurz darauf das zweite Flugzeug in den Südturm einschlug. Ich kann mich auch noch daran erinnern, dass innerhalb kürzester Zeit das Internet mehr oder weniger zusammenbrach, da sehr wahrscheinlich die ganze Welt versuchte über das Internet Informationen zu bekommen. Auf Grund der grandiosen Last war SPIEGEL Online kurzzeitig nicht erreichbar. Als die Seite wieder erreichbar war, war eine einfache Textseite geschaltet auf der die letzten Informationen bereitgestellt wurden. Sehr schnell schlossen sich große deutsche Webseiten mit SPIEGEL Online zusammen, um die Informationen zu verteilen. Ich weiß noch, dass der Heise Verlag einer der ersten war, die SPEIGEL Online beim spiegeln der Informationen half. Abend saß man stundenlang völlig ungläubig vor dem Fernseher und versuchte das unglaubliche zu begreifen. Verstehen konnte ich es nicht. Eigentlich heute noch nicht.

Und warum nun mein ganz persönlicher 9/11? Weil mich die Ereignisse in New York relativ direkt in meinem Berufsleben einholten. Ich arbeitete zu der Zeit im Telefonsupport für eine Backupsoftware. Und ein Kunde von uns war die Technische Universität Hamburg-Harburg und bekannter Maßen hatte dort Mohammed Atta studiert. Ich werde das Ticket, dass wir (IIRC) am 12. September 2001 bekamen nie vergessen. Im Betreff stand einfach nur:

AMERICA UNDER ATTACK!

Wir mussten alles andere stehen und liegen lassen, dieses Ticket hatte absolute Priorität. Und der Auftrag dieses Tickets war klar: Es mussten alle Daten zur Analyse durch amerikanische Institutionen von den Sicherungsbändern gekratzt werden. Ihr könnt Euch vorstellen, wie einem da das Adrenalin in den Kopf steigt. Und ich glaube die Kollegen an der TU Hamburg-Harburg hatten in diesen Tagen auch keinen leichten Stand.

Meine Gedanken waren damals bei den Opfern und Angehörigen der Anschläge, aber auch bei den Überlebenden. Die wahren Helden sind sicherlich die New Yorker Firefighter, die selbstlos in die Türme stiegen um möglichst viele Menschenleben zu retten. Das die überlebenden Feuerwehrmänner in der Zwischenzeit an den Spätfolgen dieses Einsatzes leiden und teilweise daran sterben und sie keine finanzielle Unterstützung vom Staat bekommen, weil das entsprechende Krankheitsbild (Asbest – Krebs) nicht im entsprechenden Gesetz aufgelistet ist, finde ich gelinde gesagt eine Unverschämtheit.

Für mich sind die Firefighter und die Passagiere des Fluges United Airlines 93 die wahren Helden des 11. September 2001!

 

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Update 10:25 Uhr:

Wie Laser in den Kommentaren schreibt, hat sich Deutschland sehr wohl am War on Terrorism beteiligt. Ich habe hier den Irak Krieg mit dem Afghanistan Krieg verwechselt.

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Ein Kommentar zu “Mein ganz persönlicher 9/11
  1. Laser sagt:

    Hallo Carsten!

    Ich muß Dich berichtigen – Schröder hat sich und Deutschland am War on Terrorism beteiligt.
    Er hat sogar die Vertrauensfrage gestellt, um Soldaten nach Afghanistan schicken zu können.
    Nur aus dem Irakkrieg hat er Deutschland rausgehalten.

    Gruß
    Jochen

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