Fazit des Wahlkampfes zur Landtagswahl

Heute wird Baden-Württemberg wählen. Der lang ersehnte 27. März 2011 ist da. Mit diesem Datum fällt wahrscheinlich von den allermeisten Piraten im Ländle eine nicht ganz unerhebliche Last von den Schultern, wenn auch noch etwas Arbeit auf uns wartet. Die ganzen aufgehängten Plakate müssen auch wieder eingesammelt werden.

Was blieb mir nun aus den vergangenen Wochen und Monaten im Gedächtnis? Was war gut, was könnte besser laufen?

Zunächst muss ich feststellen, dass mir Infostände, im Gegensatz zur Bundestagswahl 2009, so sehr viel mehr Spaß gemacht haben, wie ich es mir nicht hätte vorstellen können. Die allermeisten Leute kamen doch recht aufgeschlossen an unsere Infostände, viele fragten natürlich was es mit unserem Parteinamen auf sich hat uns so mancher hat sich von der Idee des taktischen wählens verabschiedet. Gestern haben wir jedem Interessierten Bürger ein Paket aus Wahlprogramm, Flyer und Kugelschreiber in die Hand gedrückt mit der Bemerkung, um damit morgen das Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Die Gegenfrage kam prompt »Und wo?«, worauf wir mit »Da, wo Sie es für richtig halten!«. Damit konnten wir punkten. Die etablierten Parteien haben wohl klar gesagt, wo sie von interessierten Wählern am Infostand ein Kreuz erwarten.

Auffällig ist auch, dass die etablierten Parteien einen „Ich reiß mir keinen Raus-Wahlkampf“ betrieben haben. Martin Rivoir (SPD und MdL und Kandidat in Ulm) lief irgendwann zwischen 12 und 12.30 Uhr an unserem Infostand Richtung Bahnhof, augenscheinlich gen Heimat. Um 13.30 Uhr war die FDP weg und um 14 Uhr war der Rest auch weg. Einzig die Linke und wir waren i.d.R. bis mindestens 16 Uhr in der Fußgängerzone präsent.

Aus den Gesprächen sind mir ein paar hängen geblieben. So kam jemand auf uns zu und fragte uns nach unsere Definition des freien Internets. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er Anästesiearzt war und eben unter anderem bei Schwangerschaftsabbrüchen beteiligt war. Er erzählte uns davon, dass er seinen ursprünglichen Job nicht mehr praktiziert, weil sein Name auf einem Internetpranger gegen Schwangerschaftsabbrüche auftauchte, was dazu führte, dass irgendwann Leute mit Plakaten vor seiner Wohnung auftauchten und von diversen anderen Angriffen.

Viele Sportschützen haben  sich über unsere Meinung zum Thema Waffenrecht informiert und wir haben hier große Zustimmung zu unseren Positionen erhalten.

Wenn man regelmäßig Infostände veranstaltet, trifft man immer wieder die gleichen Leute. Manche holten sich mehrmals am Tag einen Kuli oder einen Button, andere ließen wie ausversehen einen Flyer o.ä. von der Konkurenz (Die Violetten) liegen.

Sehr enttäuscht hat mich ein Gespräch mit einer Erstwählerin gestern. Nach eigenen Angaben ist sie im Jugenparlament, hat die Piraten in einer Schularbeit runtergeputzt und uns z.B. gefragt wie wir unseren Slogan „Transparenz statt Korruption“ umsetzen wollen. In unser Wahlprogramm hat sie allerdings nicht geschaut. Wozu auch, dort hätte sie ja die von ihr gesuchten Informationen finden können. Allerdings bin ich mir sicher, dass sie ihren Weg in der Politik gehen wird, da alle Voraussetzungen für eine Kariere bei den etablierten vorhanden sind (Viele Vorurteile, informiert sich nicht, lässt einen nicht ausreden, …). Da ist mir bewusst geworden, was wir unter „Politik mal ander5“ verstehen bzw. bereits praktizieren.

Im Gegensatz zu den Infoständen war das Sammeln der benötigten Unterstützerunterschriften mühselig und hat bei weitem nicht so viel Spaß gemacht. Ohne meine großartige Unterstützung im Bekanntenkreis wäre es sicherlich noch mühsamer gewesen die 150 Unterschriften zusammen zu bekommen. Die große Sammelaktion Anfang November in Ulm hatte in 6 Stunden gerade mal knapp 40 Unterschriften eingebracht. Dank eines engagierten Studenten konnten wir aber mit gutem Puffer Unterschriften abgeben.

Die Plakate zur Landtagswahl waren toll, allerdings für große Wahlkreise viel zu rar gesät. Gut, mehr war eben finanziell nicht drin. In der Zukunft dürfte das wohl besser werden, Stichwort Parteienfinanzierung. Für den Wahlkampf zur Landtagswahl in Baden-Württemberg kam das Geld aus der Bundestagswahl schlicht zu spät.

Was die Manpower angeht, können wir für kommende Wahlkämpfe deutlich mehr gebrauchen um den Arbeitsaufwand auf mehr Schultern verteilen zu können. Da bei uns alles in ehrenamtlicher Tätigkeit erledigt wird, ist maches zum Termin zu erledigen nicht immer ganz einfach gewesen. Vieles wurde auch vergessen. Hierfür an dieser Stelle ein Sorry.

Und doch muss man sagen, der Wahlkampf zur Landtagswahl war schon eine große Ecke besser als noch zur Bundestagswahl 2009: Bessere Plakate, Fernseh- und Radiowerbung, Werbespots in Kinos, Großplakate neben den etablierten Parteien.

Ich könnte noch mehr schreiben, aber ich will es an dieser Stelle mal dabei belassen.

Ansonsten ein

Danke an alle Unterstützer und Helfer

Ihr wart großartig!

Veröffentlicht in Landtagswahl 2011, Piratiges, Politik Getagged mit:
Ein Kommentar zu “Fazit des Wahlkampfes zur Landtagswahl
  1. Laser sagt:

    M. Rivoir hat sich zumindest finanziell einen rausgerissen – und das auch groß in der SWP rausposaunt.
    19,000 Euro er persönlich – die Piraten hatten 60,000 landesweit…

    Gruß

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