Wahlforum der Südwest Presse in Dellmensingen zur Erbacher Bürgermeister-Stichwahl

So, was schreibe ich nun. Neben mir liegen 6 Seiten A5 (netterweise gesponsert von der SWP) mit Notizen. Ich könnte jetzt hergehen und das alles nieder tippern. Aber ehrlich gesagt bin ichs jetzt zu faul dazu. Und ich muss sagen, je mehr Wahlkampfveranstaltungen ich besuche, desto weniger weiß ich hinterher. Alle haben Meinungen, meistens/oft geben sie sich gegenseitig Recht, wirklich unterscheiden sie sich nur in wenigen Punkten oder Facetten und vieles könnte man auf rethorische Feinheiten schieben. Von Kandidaten, von denen man bisher überzeugt war, lassen einen zweifeln und Kandidaten gegen die man Vorbehalte hatte, punkten unerwartet. Und was nun?!

Der jetzt doch entstandene Blogbeitrag ist länger geworden als gedacht und ähnelt jetzt beim noch mal lesen mehr einem Protokoll (wenn ich mir schon mal notizen mache). Egal, wer sich dafür interessiert, wird die folgenden 1577 Worte sicherlich lesen wollen. Und nun viel Spaß beim lesen,

Zünftig ging es in Dellmensingen zu. Die Musikkapelle Dellmensingen (und Ersingen?) spielte zu Beginn der Veranstaltung. Moderiert wurde die Veranstaltung von Petra Laible und Michael Janjanin. Nach eine sehr kurzen Vorstellung der Kandidaten, ging es auch gleich schon mit dem Thema Querspange los.

Querspange

Alle Kandidaten unterstützen die Querspange, wobei von allen der Eingriff in die Natur durch den Bau der Trasse gesehen wird. Konsens scheint hier aber zu sein, dass leider Eingriffe nötig sind, wenn die Querspange gebaut werden soll. Hier darf der „Schutz der Natur nicht über den Schutz der Anwohner der B311 gestellt werden“. Herr Kaspar möchte breiten Konsens finden um so wenig Klagen gegen das Bauvorhaben behandeln zu müssen. Dies soll über entsprechende Bürgerversammlungen gesehen. Auch der direkte Kontakt zum Regierungspräsidium in Tübingen ist in der Planfeststellungsphase finden Herr Gaus und Herr Kaspar sehr wichtig. Man muss „schwätza mit de Leut'“. Alle drei präferieren eine Unterführung der Querspange unter der Südbahn. Die geplante Entlastung der Ehingerstraße um 30 – 32% wird hauptsächlich durch die Umleitung des Schwerlastverkehrs realisiert. Für Stefan Jäger fällt die Entlastung zu gering aus. Er weist auch darauf hin, dass Dellmensingen sich mit der Querspange nicht verbessert, auch wenn von allen Kandidaten hierbei Chancen für ein Dellmensinger Gewerbegebiet an der Querspange sehen. Die Verkehrsanbindung ist für Gewerbegebiete essentiell.

Stadtentwicklung

Ob die Stadt Weiterentwicklungsmöglichkeiten hat, oder ob nur der Status Quo gehalten werden kann, wurde von den Kandidaten teils unterschiedlich beurteilt. Für Gaus steht dabei das maßvolle und nachhaltige wirtschaften im Fokus. Damit gemeint ist, dass nicht in Zeiten von guten Einnahmen z.B. die Kindergartenbeiträge auf Null gesenkt werden, was dann später in Zeiten schlechter Einnahmen der Stadt finanziell das Genick brechen würde. Er sieht aber durchaus Potential für einen Ausbaus der städtischen Angebote.

Kaspar wendet ein, dass Erbach die beschriebene Einnahmenlotterie nicht so stark betrifft, da Erbach trotz Wirtschaftskrise einigermaßen gleichbleibende Einnahmen hatte. Die vorhandenen Einrichtungen möchte er halten und in Schuss halten um hier nicht in einen Sanierungsstau zu geraten. Als nächstes großes Projekt sieht er eine Gewerbeimmobilienbörse (um Leerstand im Stadtkern schnell abzufangen) und den Beginn der Planung, was mit der Ehingerstrasse geschehen soll. Hier will er keine Zeit verlieren, sodass mit der Umsetzung begonnen werden kann, wenn die Querspange realisiert ist.

Die Weiterentwicklung darf nicht auf der Strecke bleiben, widerspricht Jäger, sondern muss fortgeführt werden. Er will ein offenes Ohr für die Bürger, aber auch für den Einzelhandel in Erbach haben um nicht Entscheidungen über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu fällen. Er will keine vergleichbare Diskussion in Erbach haben, wie sie derzeit in Stuttgart rund um das Projekt „Stuttgart 21“ tobt.

Ortsteilentwicklung

Bestimmte Dinge werden immer zentral bleiben müssen, weshalb die (bessere) Anbindung der Teilorte an den ÖPNV verbessert werden muss. Herr Gaus bekennt sich klar zu den Ortschaftsräten und auch die anderen sehen viele Entscheidungen bei den Ortschaftsräten. So sollen die Teilorte ihre Projekte definieren um sie anschließend im Stadtverband besprechen zu können. Auch setzt Gaus ganz klar auf die Ausweisung von Bauplätzen, um junge Familien in die Stadt zu locken (und der Stadt Grundsteuereinnahmen zu sichern – in meinen Augen bestehen junge Familien aber nicht nur aus bauwütigen Menschen, auch „normaler“ Wohnraum muss vorhanden sein). Wichtig ist auch, dass die Infrastruktur mithalten kann, also z.B. bei Zuwachs immer noch genügend Kindergartenplätze zur Verfügung stehen.

Was Bauplätze angeht, stimmt Kaspar Gaus zu. Er sieht allerdings auch Entwicklungspotential bei der Ausweisung von Gewerbegebieten. Zum Thema ÖPNV will er einen Ringverkehr mit zwei Bussen einrichten, wenn 2013 die entsprechenden Verhandlungen (Konzession) anstehen.

Herr Jäger will alle Stadtteile attraktiv halten und sieht hier einen direkten Zusammenhang um den ÖPNV auszubauen. Es soll kein Teilort abgehängt werden. Bauplätze findet auch er wichtig, allerdings will er die Ortskerne nicht vergessen und so ein verwaisen vermeiden.

Damit war die erste Runde abgeschlossen und die Musikkapelle spielte. Die Herren Gaus und Kaspar kamen recht schnell ins Gespräch und unterhielten sich angeregt auf dem Podium. Herr Jäger tat sich hier irgendwie schwer sich einzuklinken.

Wirtschaft, Verkehr und Kultur

Umbau (Fahr ?) Stall in eine Theaterstätte

Alle Kandidaten ist eine Unterstützung der Stadt beim Umbau des Gebäudes denkbar, solange die Rahmenbedingungen stimmen. Es soll auch als kulturelle Einrichtung zur Verfügung stehen, die von anderen Vereinen oder Veranstaltern veranstaltet werden. Je nach Veranstaltung wären auch EU Fördermittel denkbar, so Kaspar. Jäger stellt klar, dass das Theater/die Laienspielgruppe über Erbach hinaus bekannt ist und damit bereits ein Imageträger der Stadt ist, was es weiterhin zu unterstützen gilt.

Wahl in den Kreistag, in welcher Fraktion, und sollen die Freien Wähler zur Landtagswahl 2011 antreten?

Herr Gaus stellt fest, dass er sich primär als Bürgermeister bewirbt. Sollte es Bürgermeistern möglich sein bei der nächsten Kreistagswahl in vier Jahren anzutreten, würde er selbstverständlich antreten um Erbach im Kreistag zu vertreten. Über welche Liste einer Partei er das tun würde lässt er offen. Er müsse sehen, wer dann welche Positionen vertritt. Die Frage nach den Freien Wählern und der Landtagswahl überlässt er den Freien Wählern.

Herr Kaspar ist SPD Mitglied, sieht sich aber trotzdem als unabhängig, da Lokalpolitik in der Regel Sachpolitik ist. Das Parteibuch an der Rathaustür abzugeben sei selbstverständlich. Kreistag ist für ihn selbstverständlich und sehr wahrscheinlich über die Liste der SPD, wenn auch er heraushebt, dass er nicht mit allen Positionen der Partei konform geht.

Gleiches gilt für Stefan Jäger, der CDU Mitglied ist. Ob er über die CDU Liste für den Kreistag kandidieren würde ist für ihn nicht unbedingt selbstverständlich und lässt er offen. Auf die Freien Wähler gehen Kaspar und Jäger nicht ein.

Nun kamen Fragen von Bürgern, die relativ schnell behandelt werden konnten, die ich daher in Stichpunkten wiedergebe:

Wechsel nach der ersten Amtsperiode? Erbach als Sprungbrett?

  • Jäger: Die Aufgaben sind groß und brauchen langfristige Konzepte und er plant mindestens zwei Amtsperioden.
  • Kaspar: Will lange Bürgermeister sein, es sei sein Traumberuf. Selbstverständlich würde er seinen Lebensmittelpunkt nach Erbach legen, im Falle einer Wahl
  • Gaus: Kontinuität ist ihm wichtig. Projekte brauchen lange für die Umsetzung und daher sind mehrere Amtsperioden wichtig. Er strebt drei Amtsperioden an

Hatten die Kandidaten bereits Personalverantwortung und wie ist die Beliebtheit in der jetzigen Stellung?

  • Kaspar: Hatte in der Vergangenheit schon Personalverantwortung und kommt sehr gut mit seinen derzeitigen Kollegen aus.
  • Gaus: Derzeit Personalverantwortung für fünf Mitarbeiter und als Projektleiter nochmal 15 Mitarbeiter. Er empfindet sich als geradliniger Chef der ohne Personalfluktuation auskommt.
  • Jäger: Als Rechtsanwalt hat man wenig Personalverantwortung, da schlicht unwirtschaftlich. Sieht der Aufgabe aber gelassen entgegen.

Größter Erfolg bzw. Niederlage?

  • Jäger: Seine Familie ist sein größter Erfolg und gleichzeitig seine größte Niederlage, da er im Urlaub gegen seine Frau im Minigolf verloren hat. Bezeichnet sich als schlechten Verlierer.
  • Gaus: Er gibt unumwunden zu, dass der letzte Sonntag sein bisher größtes Erfolgserlebnis war. Als Niederlage nennt er eine nicht erfolgreiche Bewerbung.
  • Kaspar: Seine derzeitige Anstellung am Gerichtshof in Luxemburg sieht er als großen Erfolg. Als Niederlage nennt auch er eine nicht erfolgreiche Bewerbung.

Wieder eine kurze Pause mit Musik des Musikvereins. In der Pause kommt Herr Jäger zu mir und fragt, ob ich Hr. Lenz wäre und begrüßt mich darauf hin als „bekanntesten Erbacher“ was ich in meiner Bescheidenheit natürlich direkt verneine ;). Er entschuldigt sich, dass er eine Anfrage von mir nicht beantwortete, da diese ihn nicht erreichte und fragte wohin ich diese sendete.

Weitere Fragen von Bürgern, wieder in Stichpunkten:

Potential für eine zweite Tankstelle in Erbach, da die bestehende oft überlastet ist?

  • Kaspar sieht durchaus die Möglichkeit für eine zweite Tankstelle in Erbach.
  • Jäger stellt fest, dass Erbach für zwei Tankstellen groß genug sei. Allerdings steht und fällt das mit einem Investor
  • Gaus wendet ein, dass es wohl mal einen Investor gab, der am Ortsausgang Richtung Ulm eine Tankstelle bauen wollte, was allerdings an den Eingebungen der Anwohner scheiterte. Jetzt mit dem Bau der Bahnunterführung sieht er eine Chance dort evtl. jetzt eine zweite Tankstelle zu erstellen.

Wasserhärte in Erbach

Hier war ich über die Antworten der Kandidaten verwundert. Alle meinten, solange das Wasser die Grenzwerte einhalte, sähen sie keinen Handlungsbedarf seitens der Stadt. Herr Gaus meinte sogar, dass seine Frau ihm als Laborantin von einem Einsatz von entsprechenden Enthärtungsanlagen (Salz) abgeraten hätte. Das Wasser sei doch gut.

Das sehe ich doch etwas anders, da mir nach nur vier Jahren ein Wasserboiler auf Grund des hohen Kalkanteils im Erbacher Wasser über den Jordan gewandert ist. Als Hausbesitzer eines Altbaus ist das Wasser für die bei mir verbauten Rohre nicht unbedingt zuträglich. Außerdem gab es wohl vor Jahren eine Umfrage von der Stadt, ob die Stadt eine Enthärtungsanlage im Wasserwerk installieren soll, was von den Erbachern abgelehnt wurde. Es gab wohl Befürchtungen, dass dadurch der Wasserpreis unverhältnismäßig steigt. Ich wäre froh darüber.

Fachliche Überlegenheit von Mitarbeitern

Für alle Kandidaten ist es kein Problem, wenn Mitarbeiter in bestimmten Bereichen mehr Kompetenz besitzen. Diese sollte man (an)erkennen und nutzen. Der Bürgermeister soll kein Fachidiot sein, sondern breit aufgestellt. Gaus hofft sogar, dass er fachlich überlegene Mitarbeiter im Rathaus vorfinden wird, der Bürgermeister muss kein Supermann sein.

Im großen und Ganzen wars das. Es wurde noch über den Teilort Ersingen gesprochen und die Diskussion kam nochmals auf die Querspange, das Gewerbegebiet Dellmensingen und den Verkehr in der Erlenbachstraße zu sprechen. Im großen und ganzen ergaben sich hier aber keine weiteren Erkenntnisse.

Damit war die erste Runde abgeschlossen und die Musikkapelle spielte. Die Herren Gaus und Kaspar kamen recht schnell ins Gespräch und unterhielten sich angeregt auf dem Podium. Herr Jäger tat sich hier irgendwie schwer sich einzuklinken.
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