Die offizielle Vorstellung der Kandidaten vergangenen Freitag

Vergangen Freitag war es also endlich, in der Erbacher Erlenbachhalle fand die offizielle Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl am 10. Oktober statt. Als ich mit meiner Frau um kurz von 18 Uhr das Foyer betraten war eines klar: Die Erbacher stehen mit sehr großem Interesse der Bürgermeisterwahl gegenüber. Die Kandidaten standen den Bürgern Spalier und begrüßten die herbei strömenden Bürger. Stefan Jäger, der während des Wochenmarkts einen kurzen Plausch mit meiner Frau führte, erkannte meine wieder und begrüßte sie direkt persönlich.

In der Halle selbst waren restlos alle Sitzplätze belegt und an den Seiten standen sich die Leute regelrecht gegenseitig auf den Füßen. Wir ergatterten einen relativ gutes Plätzchen neben dem Regieraum. Der dortige Technikverantwortliche meinte auch direkt, dass für 450 Personen bestuhlt worden wäre und jetzt wohl um die 600 – 650 Personen in der Halle wären. Respekt.

Respekt einflößend muss auch der Einzug in die Halle für die Kandidaten gewesen sein. Unter tosendem Applaus ging es. angeführt von Paul Roth, zunächst für alle Kandidaten auf die Bühne. Fast pünktlich um kurz nach 18 Uhr eröffnete Paul Roth die Veranstaltung mit einer kleinen Eröffnungsrede und der Erklärung des weiteren Ablaufs. Jeder Kandidat erhielt 15 Minuten Zeit um sich und seine Motivation und Visionen für das Amt vorzustellen. Damit die anderen Kandidaten sich nichts bei den Konkurrenten abhören können, waren die anderen 5 Kandidaten während der Vorstellungsrede außerhalb der Halle. Die Vorstellung der Kandidaten erfolgte nach der Reihenfolge des Bewerbungseingangs, wonach sich folgende Reihenfolge ergab:

  1. Karl Nusser
  2. Stefan Jäger
  3. Dietmar Voß
  4. Achim Gaus
  5. Martin Kaspar
  6. Miriam Bosch

Nach der Vorstellungsrunde war eine 15 minütige Pause geplant und als Ende der Veranstaltung rief Bürgermeister Roth 22 Uhr aus, woraufhin meine Frau und ich uns erstaunt ansahen. Wir hatten nicht damit gerechnet, dass die Veranstaltung so lange dauern würde. Und schon bat Paul Roth die 5 Kandidaten aus der Halle und Karl Nusser hatte das Wort.

Karl Nusser hielt eine relativ emotionslose Rede, ohne große Pointen oder Überraschungen. Er stellte seinen Werdegang dar und betonte, dass er durch seine schulische Laufbahn genügend Erfahrungen im Umgang mit Verwaltungen sammeln konnte und daher kein Problem darin sieht, jetzt selbst die Verwaltung zu sein. Als einziger Kandidat genießt Karl Nusser so etwas wie den Bonus eines Lokalprominenten – er ist seit 13 Jahren Schulleiter an der hiesigen Schule. Das lässt er einen aber auch irgendwie spüren und Sätze wie „ich werde nicht von Haus zu Haus gehen und Klingen putzen. Wenn sie Fragen haben, kommen sie bitte zu mir!“ verdeutlichen dies. Ansonsten schöpfte er aus seiner Erfahrung als Schulleiter und gab ein Vorstellung darüber ab, wie er sich eine Gesellschaft und das Miteinander bzw. die Bildung der Zukunft vorstellt. Aber irgendwie nichts aufregendes.

Stefan Jäger war seine innere Anspannung und Aufregung deutlich anzumerken. Er versprach sich öfters mal, oder stolperte bzw. verschluckte sich fast an manchen Worten. Hierüber war ich einigermaßen erstaunt, da man als Rechtsanwalt doch auch öfters in die Lage kommt, vor Publikum sprechen zu müssen. Ich will ihm dies aber nicht negativ ankreiden, da ich es sehr gut verstehen kann. Mir selbst ginge es wahrscheinlich nicht arg viel besser. Er stellte sich als christlicher Mensch vor, der zwar CDU Mitglied ist, aber trotzdem als unabhängiger Kandidate für alle Erbacher antreten will. Kinderbetreuung ist ihm wichtig und das gesellschaftliche Miteinander. So stellte er in groben Zügen seine Idee einer Bürgerstiftung vor. Auch die Themen Städtebau, Ehrenamtliche Tätigkeiten und Gewerbe kamen bei ihm vor.

Dietmar Voß schleppte als erstes seine Frau mit auf die Bühne, die sichtlich überrascht hierüber war. Er wollte unbedingt seine Frau vorstellen, mehr sagte er hierzu aber nicht. Und so verlief auch seine gesamte Rede. Sie kam eher locker und leger daher, war von manchem Faux Pas geprägt (bei der Aufzählung der Stadtteile unterschlug er prompt einen was zu Widerstand und Gelächter im Publikum führte). Als Unternehmensberater sei er es leid nur zu Reparieren, nun wolle er gestalten. Auch er gab einen Abriss über Städtebau, Vereine, die Ausweitung der Gewerbeflächen usw., doch so recht wollte der Funke nicht überspringen. Seine vorgebrachten Themen nahm ich ihm nicht zur Gänze ab. Vielleicht lag das auch an seinem Vortragsstil, der wie gesagt betont locker war. Der Knüller war allerdings ein Kleinkind, das sich passend zum Abschluss eines Themenkomplexes mit einem herzhaften „lalalalala“ Luft verschaffte, als wollte es sagen, ihr Politiker seid doch alle gleich. Die Halle tobte, allerdings nicht unbedingt zum Vorteil für Herrn Voß. Kurz vor Ende betonte Dietmar Voß, dass er Bürgermeister für 16 Jahre werden wolle, was bei mir einen sehr fahlen Beigeschmack hinterließ.

Achim Gaus präsentierte sich als hochqualifizierter Fachmann für Kommunale Angelegenheiten, der gleichzeitig noch Ahnung von Geld hat. Kein Wunder, ist er doch Kämmerer stellvertretender Abteilungsleiter Finanzen bei der Stadt Ulm. Das alles aber in einer sehr sympathischen Art und Weise. Wie seinen Vorredner auch, liegt ihm auch viel an der Kinderbetreuung und dem weiteren Ausbau des hiesigen Angebots. Auch will er Erbach interessanter für junge Familien machen, denn nur durch junge Familen könne eine Stadt wie Erbach wachsen. Warum aber Erbach gerade durch Baugrundstücke interessant für junge Familien werden soll, verstehe ich nicht wirklich. Nicht jede junge Familie kann es sich heute, selbst in Erbach, leisten ein Grundstück zu kaufen und ein Haus drauf zu bauen. Ich empfinde das als den falschen Weg, aber vielleicht habe ich ja auch keine Ahnung.

Jetzt kam die von vielen mit Spannung erwartete Vorstellung von Martin Kaspar. Hinter mir hörte ich irgendwo „Kommt jetzt der Europäische Gerichtshof? Ja, genau. Hihihi“. Martin Kaspar trat sehr professionell auf. Irgendwie hatte ich nichts anderes erwartet. Rethorisch geschickt, streute er in seinen sonst nahezu perfekt Hochdeutschen Vortrag schwäbische Schlagworte ein (Schultes ist mir hier hängen geblieben). Aus seinem nahezu alle Bereiche des politischen Lebens umfassenden Programm gab er einen groben Überblick. Sich selbst stellte er als einen Menschen vor, der zuhören kann aber auch direkt seine Meinung kund geben kann, also offen und ehrlich sei.

Zu guter Letzt stellte sich Miriam Bosch mit einer deutlich durch eine Erkältung geschwächten Stimme vor. Was sie nicht davon abhielt sehr deutliche Worte zu finden. Sie stellte sich durch ihre durchlaufenen Ausbildungen als äußerst geeignet für den Posten des Bürgermeisters dar. Dabei kam sie allerdings lange nicht so sympathisch rüber, wie andere Kandidaten das geschafft haben. Aus ihrer Vorstellung blieb hängen, dass sie stets ein offenes Ohr für ihre Bürger haben will und auch eine Bürgermeistersprechstunde einrichten.

Nach gut 2 Stunden war die Vorstellungsrunde geschafft und die versprochene Pause tat gut. Aus 15 Minuten wurden dann doch eher 20 – 25 Minuten, aber egal.

Die anschließende Fragerunde war interessant. So wurde den Kandidaten eine sehr gut ausformulierte Frage einer Bürgerinitiative (oder wars eine Interessengemeinschaft, ich bringe es nicht mehr zusammen) zum Thema Abgasemissionen der Erbacher Härtetechnik, die im Vorfeld allen Kandidaten inkl. über 200 Seiten Informationen zum Thema bereitgestellt wurde, gestellt. Da die Frage sehr komplex war, hatten die Kandidaten auch keine wirkliche Chance hier eine fundierte Antwort zu liefern. Dies kommunizierten auch alle Kandidaten entsprechend. Ansonsten gab es noch Fragen zum Standpunkt der Kandidaten zu Mobilfunkmasten auf öffentlichem Grund, dem Bekenntnis zu Vereinen und ehrenamtlicher Arbeit.

Richtig unterhaltsam wurde es, als ein Bürger seine Frage mit »Ich habe ein Problem mit dem Recyclinghof« begann. Er bemängelte, dass man Rasenschnitt nicht auf den Häckselplatz werfen dürfe, was so zunächst richtig ist, und ihm bereits Hausverbot angedroht wurde, wenn er trotzdem abladen würde. Der Container für den kompostierbaren Abfall (also den Rasenschnitt) ist über eine Treppe erreichbar. Wenn man mit einem Sack Rasenschnitt kommt ist das machbar, hat man den ganzen Hänger voll damit, wird es schwierig. Die beste, weil pragmatische und kostengünstigste Antwort lieferte Achim Gaus. Er schlug einen separaten Platz für Rasen und ähnliches vor. Die Mitarbeiter des Recyclinghofs könnten dann regelmäßig den dort entstanden Haufen per Radlader in den Container packen. Sehr gute Antwort Herr Gaus! Großes Gelächter gab es dann noch, als der Fragesteller noch nach seinem Hausverbot fragte, woraufhin Paul Roth antwortete »Bis Ende November bekommen Sie von mir kein Hausverbot!«. Dann nämlich endet die Amtszeit von Paul Roth…

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2 Kommentare zu “Die offizielle Vorstellung der Kandidaten vergangenen Freitag
  1. Achim Gaus sagt:

    Hallo Herr Lenz,

    kleine Korrektur am Rande: ich war 4 Jahre lang in Merklingen Kämmerer: In Ulm bin ich momentan in der Kämmerei tätig, allerdings nicht als Kämmerer, sondern als stellvertretender Abteilungsleiter – also sozusagen als stv. Kämmerer.

    Viele Grüße
    Achim Gaus

    • Carsten sagt:

      Hallo Herr Gaus,

      da scheine ich wohl was durch einander gebracht zu haben. War aber auch etwas viel Info an dem Abend. Ich korrigiere das dann noch und danke für den Hinweis 😉

      Grüße
      Carsten Lenz

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