Was ein Irrenhaus

Gestern war ein verrückter Tag. Zunächst konnte man mit einem #Blumenkübel auf Twitter viel Spaß haben. Ausgangspunkt für den Onlineruhm eines (zerstörten) Blumenkübels war eine kurze Meldung im Lokalteil der Münsterschen Zeitung. Darin wurde von einem zerstörten Blumenkübel vor einem Altenheim berichtet. Über Twitter gelangte diese Meldung schnell in die Trending Topics, sogar in die weltweiten Trending Topics schaffte es der Hashtag und Twitter User außerhalb Deutschlands fragten sich, was es mit diesem Blumenkübel auf sich habe.

In den lustigen Reigen der Blumenkübel Tweets (mein Favorit) platzte der folgende Tweet von Benjamin Stöcker:

Benjamin Stöckers Rücktrittsmeldung bei Twitter

Benjamin Stöckers Rücktrittsmeldung bei Twitter

Ich war geschockt, und nicht nur ich war geschockt.  Auf Grund dieser Rücktrittsmeldung habe ich mich entschlossen, trotz Urlaub, an der am Abend stattfindenden Bundesvorstandssitzung als Zuhörer teilzunehmen.

Die gestrige Bundesvorstandssitzung sollte als alleinigen Zweck die Abstimmung über eine eventuelle Inbetriebnahme von Liquid Feedback (LQFB) haben. Ich kam etwas zu spät in die Telko, als ich Einstieg war der Bundesvorstand bereits bei TOP 3, also mittendrin im Thema.

Was ich nun hörte, lies mich mit offenem Mund und Kopfschütteln die Vorstandssitzung verfolgen. Es wurde hitzig über Liquid Feedback diskutiert, es gab wüste Beschimpfungen, Wortmeldungen aus der Zuhörerschaft, bis schließlich Zuhörer der Vorstandssitzung per Wortmeldungen untereinander das diskutieren anfingen. Es gab wilde Vorhaltungen zwischen BundesIT und den Entwicklern und/oder den Administratoren von LiquidFeedback.

Zwischenrein meldete sich Benjamin zu Wort, der in sehr emotionaler Weise gegen Christopher Lauer und die Entwickler/Administratoren von LiquidFeedback ausholte. Aus Bens Blogpost zu seinem Rücktritt lässt sich in Ansätzen erahnen, wie tief die Gräben, wie verhärtet die Fronten innerhalb des Bundesvorstands wirklich sind (»… vertraute zum Schluss nur noch Zweien der Bundesvorstandsmitgliedern …«). Und das gerade mal nach drei Monaten Amtszeit.

Der Bundesvorstand beschloss Benjamins Antrag, womit der Start von LQFB nochmals um 14 Tage verschoben wird, die Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen sowie Funktionen in LQFB nochmal überarbeitet werden und den bisher beauftragten Administratoren wurde selbiges entzogen. Die LQFB Instanz soll von der BundesIT bzw. dort angesiedelten unabhängigen Administratoren bewerkstelligt werden.

Uff. Im Anschluss ab 21 Uhr habe ich dem Piratenradio gelauscht. In der Sendung wurde über den Rücktritt Bens und die getroffene Entscheidung bezüglich LQFB diskutiert. Aus dem Bundesvorstand warten Andi Popp und Wofgang Dudda anwesend. Die Diskussion war interessant und doch kann ich der Aussage von Wolfgang Dudda, dass »der heutige Tag kein schwarzer Tag für die Piraten ist« nicht zustimmen. Mir drängt sich massiv der Verdacht auf, dass unser amtierender Vorstand keine weitere konstruktive Zusammenarbeit mehr leisten kann. Und das ist sehr wohl eine mehr als düstere Aussicht für die nähere Zukunft der Piraten.

Und mein persönliches Fazit? Ich denke, dass viele Probleme oder Meinungsverschiedenheiten durch bessere Dokumentation und/oder Erklärung hätten vermieden werden können. Vielleicht gab es diese Informationen auf der Aktiven, welche ich aber nicht lese, weil der Informationsgehalt für mich in der Vergangenheit gegen Null ging. Vielleicht ist das mein Fehler gewesen. Meine geäußerten Bedenken wären teilweise nicht aufgetaucht, wäre (mir) der Morpheus-Prozess früher bekannt gewesen. Auch will ich festhalten, dass ich mich nicht als Troll sehe und ich nicht deshalb gegen die dauerhafte Nachverfolgbarkeit von Entscheidungen innerhalb des Systems bin. In dem beim Troll verlinkten Artikel stecken aber auch schon wieder gute Argumente, warum das von den Entwicklern so vorgesehen ist. Und eigentlich bin ich mehr ein Verfechter als ein Gegner Liquid Feedbacks.

Zu guter Letzt ist heute dann noch Pavel von seiner Beauftragung als CiviCRM Administrator zurückgetreten. Seine Begründung deutet ebenfalls darauf hin, dass im Bundesvorstand manches nicht so läuft, wie es laufen sollte.

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Ein Kommentar zu “Was ein Irrenhaus
  1. Stelf sagt:

    Ahoi

    Zum Thema Aktive:
    da gab es den Flamewar, den es in der BuVo Sitzung am Donnerstag schon seit Tagen, das einzige was man daraus festhalten kann (Fazit aus zigtausend Mails):
    a) Wir sind uneins, ob wir bei LQFB Buerger oder Politiker sind also ob unsere Daten da zu schuetzen sind oder wir transaparent sein muessen
    b) Transparenz und Datenschutz gleichzeitig in LQFB sind nicht moeglich.
    c) die Aktive ist eine Trollwiese

2 Pings/Trackbacks für "Was ein Irrenhaus"
  1. […] This post was mentioned on Twitter by Piraten-Mond, Carsten Lenz. Carsten Lenz said: Neuer Blogpost: Was ein Irrenhaus (http://bit.ly/a2Nj3n) […]

  2. liplop sagt:

    Sony Ericsson F305 was die vorteile und Nachteile sind!…

    Ich fand deinen Beitrag sehr interessant Danke :)…

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